Der im Rahmen des DFG-Heisenberg-Programms gegründete Lehrstuhl für Romanistik, insbesondere italienische Literatur- und Kulturwissenschaft im europäischen Kontext (Prof. Christian Rivoletti) hat seinen Schwerpunkt in der italienischen und französischen Literatur und Kultur der Frühen Neuzeit und der Gegenwart, mit besonderem Augenmerk auf komparatistische und interkulturelle Untersuchungsperspektiven (v.a. in der europäischen Dimension), auf die historische Problematisierung und theoretische Reflexion sowie auf intermediale Fragestellungen (Text-Bild-Relation; Bücher und audiovisuelle Medien). Weiterhin werden momentan folgende drei Forschungsprojekte durchgeführt. Das Projekt (1.) Transformationen und Gattungsmerkmale: Zur Evolution des italienischen Ritterepos im Renaissancekontext widmet sich der Frage nach Kontinuitäten und Brüchen in der Entwicklung des romanzo cavalleresco, unter spezifischer Berücksichtigung der Wechselwirkung von Tradition und Innovation in zentralen Texten des 15. und 16. Jahrhunderts. Durch die Recherchen des Lehrstuhlmitarbeiters Dr. Julius Goldmann innerhalb eines Habilitationsprojekts wird die Untersuchung auch die Gestaltung des Genres durch Bernardo Tasso in den Blick genommen. Im Rahmen des Projekts (2.) Literaturtheorie und -geschichte: Zur Dialektik des Exils bei Erich Auerbach wird die Genese von Auerbachs literaturtheoretischem und -historischem Denken während seines Istanbuler Exils untersucht. Im Zentrum steht dabei die Dialektik zwischen den geistesgeschichtlichen Wurzeln seines Ansatzes – insbesondere in der deutschen Tradition der Hermeneutik und der Geschichtsphilosophie – und den intellektuellen, politischen und kulturellen Impulsen des türkischen Kontexts der 1930er und 1940er Jahre. Ein weiterer Fokus liegt auf der Untersuchung der (3.) Tradition der Lyrik, der religiös-didaktischen Traktate und Predigten im romanischen Mittelalter (insbesondere in Italien und Frankreich). In diesem Zusammenhang arbeitet Dr. Matthias Bürgel an Editionsprojekten sowie literaturhistorischen Studien zu Texten wie der Esposizione del Credo von Domenico Cavalca sowie zur Troubadourlyrik und ihrer Rezeption.
Die am Lehrstuhl für Romanistik (Literatur- und Kulturwissenschaft, Prof. Friedrich) angesiedelten Forschungsarbeiten widmen sich schwerpunktmäßig der Untersuchung von Strukturen und Funktionen literarischer Texte im Rahmen sich wandelnder medialer und kultureller Bedingungsgefüge und gesellschaftlicher Praktiken in Spanien und Frankreich. Näherhin geht es um die Wechselwirkung von Mediensystemen und Wahrnehmungsstrukturen im Spannungsfeld epistemologischer, wissenschaftlicher, kultureller und ästhetischer Transformationsprozesse in der Frühen Neuzeit sowie im 20./21. Jahrhundert. Folgende Forschungsprojekte existieren momentan: (1.) Theatralität aus medienhistorischer Perspektive (v.a. Frankreich, Spanien 17. Jh.): Untersucht werden die vielfältigen Relationen zwischen den konkreten geschichtlichen Manifestationen von Theatralität und ihrer jeweiligen medialen bzw. intermedialen Verfasstheit; Analyse der Emergenz und Ausdifferenzierung historischer Theatralitätskonzepte. (2.)Medialität und Wahrnehmung in den romanischen Kulturen: Fokussiert wird die Entstehung neuartiger Wahrnehmungsformen an den Schnittpunkten zwischen unterschiedlichen wissenschaftlichen und ästhetischen Diskursen, medialen Praktiken und sozioökonomischen Kräften.
Gleichfalls Fragen der (Inter)Medialität sowie der Transkulturalität stehen im Mittelpunkt der Forschungsarbeit von Professor Keilhauer. Ein Fokus liegt hier auf Text-Musik-Interaktionen und auf Aspekten der Mündlichkeit in der französischen Kultur und Literatur des 18. Jahrhunderts. Ferner werden Phänomene des Kulturtransfers und der Transkulturalität (Frankreich-Deutschland-Italien) zwischen dem 18. und dem 20. Jahrhundert mit besonderem Bezug zu weiblichen Schreibtraditionen analysiert und im Rahmen interdisziplinär angelegter Projekte thematische und funktionale Aspekte von autobiographischem Schreiben zwischen Gattungsentgrenzung und Genderfragestellungen in den Blick genommen.